Wie fliegt und lebt es sich im Land der aufgehenden Sonne? Fluglehrer Klaus Irschik hatte als Lehrteammitglied des DHV das Glück nun schon zum 2. Mal vom japanischen Gleitschirmverband zur Durchführung einer Fluglehrer- Fortbildung eingeladen zu werden. Er schildert die Eindrücke und Erfahrungen seiner Reisen.

"F" wie Freundliches Japan Ob in Tokyo Stadtmitte oder auf einem Landeplatz 100 km entfernt in der Pampa überall wird man mit einer schon fast peinlichen Freundlichkeit empfangen. Schnell lerne ich, daß die Vorlage eines effektiven Gleitschirmstarts, ca. 20° mit Hüftknick, ziemlich genau der Vorlage einer respektvollen Begrüßung entspricht und dies erlebt der Besucher zig mal auf seiner Tour durch das Land. Nicht nur in der Ausübung des Flugsports sind die Japaner äußerst diszipliniert, fleißig und ständig bereit neues dazu zu lernen!
"F" wie Freizeit Zugegeben ist es schwer zu glauben, daß eine Freizeitsportart wie das Gleitschirmfliegen im Land der ständigen Arbeit überhaupt eine Überlebenschance hat. Das Wort "Freizeit" ist in Japan nämlich eher im Fremdwörterlexikon zu finden. Der Japaner lebt jahraus jahrein für und mit seiner Firma. Und in der Tat konzentriert sich das Flugschulbusiness sehr stark aufs Wochenende. Unter der Woche sieht man in den Fluggeländen fast ausschließlich Rentner sowie eine Hand voll Piloten, die einen Ausgleichstag für die Wochenendarbeit erhalten haben! Neuerdings boomt allerdings das Geschäft mit Schülerschnupperkursen. Die Neukundenwerbung der Zukunft? Mit rund 20.000 aktiven Piloten liegt Japan wohl weltweit zwischen Platz zwei und drei im Gleitschirmmarkt! Hersteller wissen dies schon seit langem zu schätzen, denn auch in Japan fliegt es sich mit Nova, Swing, UP und Atos! Gurtzeuge werden größtenteils in Gin-land, sprich Korea geordert! Das deutsche Gütesiegel wird als das Maß aller Dinge betrachtet allerdings nur bei den Schirmen! Auffallend war, daß die Gleitschirmartikel mindestens 10% teuerer als bei uns verkauft werden. Eine Anpassung an höhere Löhne?

"F" wie Fliegen in Japan oder: Die lebenslängliche Betreuung Der japanische Durchschnittspilot hat so scheint es - seiner Flugschule die ewige Treue geschworen und fliegt wohl lebenslänglich nur unter dessen Fittich! Mit den Schulen funktioniert es ähnlich wie mit Sportstudios oder Tennisvereinen. Der Kunde (Member) kommt, zahlt sein Wochenendticket, kauft seine Bergfahrten und fliegt fast ausschließlich mit maximaler Funkbetreuung! Wer bezahlt, erhält einen Bändel, der offen sichtlich hinter dem Gurtzeug dahinflattert! Reisen, fremde Fluggelände und Selbständigkeit sind dem japanischen Piloten quasi fremd. Der Flug über dem Lac de Annecy oder über "Ludwigs-castle" in Füssen wird somit für viele ein Traum bleiben!
nichts ist unmöööööglich! Man stelle sich vor: Runde 16 Mio (!) Menschen leben in und um Tokyo und im Umkreis von 100 km existieren wohl die weltweit (!)größten Flugschulen! Doch, ausgenommen den von jeder grünen Filmschachtel bekannten Berg, gibt es kaum markant hohe Höhendifferenzen. Denn ähnlich wie am Mt.Blanc kann zwar an unendlich vielen Plätzen um den Mt.Fuji, aufgrund der hohen Windgeschwindigkeiten und des bevorstehenden Fußanmarsches nicht auf dem imposanten Berg gestartet werden! Somit erinnert die Fliegerei an den beliebten Zentren eher dem Fliegen an der schwäbischen Alb. Da es jedoch vom Bewuchs und auch von der Form der Berge keine natürlichen Startmöglichkeiten gibt, wird hier kräftig nachgeholfen! Gemäß dem Toyota-Slogan werden Schneisen gehauen, Pfähle und Rampen aufgestellt, Aschenbecher und Dixi`s bereitgehalten und unglaublich aber wahr - eine eigene schnuggelige Bergbahn errichtet. Teilweise wird dann sogar in 3 Ebenen gleichzeitig gestartet. Doch keine Sorge alles voll unter der Kontrolle der jeweiligen Flugschule(n)! Fast jede große Flugschule besitzt ihr privates "Mono(l)ail"-Unternehmen. Ob diese Privatzügle und der extra aufgeschüttete künstliche Übungshang mit " Gleitschirm-jens" finanziert wurden wage ich allerdings zu bezweifeln?

"F" wie Fortbildung - Wissensimport aus Germany Alle Fäden laufen bei meinem Gastgeber, Mr.Hangai-sun, zusammen. Vom Headoffice in Tokio aus werden Gleitschirmartikel in unglaublichen Stückzahlen in ganz Japan vercheckt. Auch das Performancetraining für auserlesene Flugschulleiter und Fluglehrer wurde über die ca. 10 hauseigenen Flugschulen organisiert. Das Ziel: In drei Kursen, in Osaka, Tokyo und rund um den Mt. Fuji, sollen insgesamt über 120 hoch interessierte Fluglehrer, unter ihnen auch ca. 25 weibliche Teilnehmer, im Rahmen von 3-Tages-Intensivkursen zum Performancetrainier ausgebildet werden! Mittels einer vom englischen ins japanische übersetzten Vorträge und zweier Übersetzer war es möglich diese Projekt sehr effektiv in die Tat umzusetzen. Themenschwerpukte waren perfektes Starten, Landeeinteilen und Landen, aktives Fliegen und die Thematik Rettungsgerät. Größtes Interesse war auch im Fach Pädagogik zu verzeichnen bislang ein Fremdwort in Japans Flugschulen. Das Performancetrainig nach deutschem Stil soll nun in Zukunft in ganz Japan Einzug finden. Anstelle der nicht vorhandenen Turnhallen wurden für das Rettungsgeräte werfen extra 10m hohe Wurfanlagen gebaut Der Einfallsreichtum kennt offensichtlich keine Grenzen!

Japan eine Reise wert? Wer auf eigene Faust nach Japan reist sollte sich unbedingt an eine professionelle Flugschule wenden. Es sprechen zwar viele Leute Englisch, die meisten Beschilderungen, auch auf den Autobahnen, sind jedoch in unleserlichen japanischen Schriftzeichen gehalten. Die Kosten des täglichen Lebens müssen in etwa mit dem Faktor 1,5 multipliziert werden. Fisch essen - allem voran die nicht ganz ungefährliche Spezialität "Kugelfisch", ist ein Muß und ein Erlebnis mit besonderem Nervenkitzel! Dieses Tier darf nämlich, aufgrund seiner hoch giftigen Leber, nur von speziellen "Performanceküchen" zubereitet werden! |