Gleitschirmfliegen in der Flugschule Goeppingen
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Der Rückwärtsstart

Klaus Irschik

 

DerRückwärtsstart

 

Spricht man von Rückwärtsstart so meinen wir eigentlich nur dass der Gleitschirm der Kappe zugewandt – also den Körper rückwärts zur Flugrichtung – aufgezogen wird.  Doch diese Starttechnik flüssig und gewandt zu beherrschen will gelernt sein. Klaus Irschik - der Fly und Glide Flugtechnikexperte - gibt Tipps zur Vorbereitung und Bewegungsausführung.

 

Plädoyer für die Methode

 

Bei genauerer Abwägung überwiegen die Vorteile gegenüber den Nachteilen. Es steht außer Zweifel, dass ein gekonnter Rückwärtsstart vom Bewegungsablauf sicherer und vor allem für den Piloten Rückenschonender einzuschätzen ist. Flüssig ausgeführt sieht das ganze natürlich auch gleich richtig professionell aus.

Längst ist auch bekannt, dass sich die meisten Schirme  rückwärts deutlich besser  aufziehen lassen als in der konventionellen Methode. Grund dafür ist die fehlende Verkürzung der B-Leinenebene. Bei gutmütig klassifizierten Schirmen sollte dies jedoch kaum eine Rolle spielen.

Der Hauptvorteil liegt unbestritten in der besseren Möglichkeit, mit ergonomisch günstigem Rundrücken  gegen den auftretenden Widerstand eine mechanische Gegenkraft aufzubauen und obendrein die Kappe während des gesamten Aufstiegs zu kontrollieren.

 

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

 

Aus zig verschiedenen Methoden habe ich meine favorisierte Methode ausgewählt, die ich im Folgenden genau beschreiben möchte:

Gelegenheitspiloten sollten die Methode und auch die einmal gewählte Ein- und Ausdrehrichtung keinesfalls mehr ändern! Bei diesen Vorbereitungsarten bleibt die jeweils „richtige“ Bremsleine in der Hand. Ein Übergeben der Bremsen ist somit nicht erforderlich!

Der Pilot nimmt zunächst die normale Grundhaltung wie beim konventionellen Vorwärtsstart ein. In diesem Zustand erfolgt nun auch der Startcheck. Auf einer Seite – in unserem Beispiel links -  wird nun noch zusätzlich die hinteren Tragegurt/Fangleinen zwischen Daumen und Zeigefinger genommen. Die linke Hand hat nun den vorderen, den hinteren Tragegurt und die Bremse in der Hand. Man hebt nun den linken Arm und dreht unter ihm hindurch. Mit einem gewissen Schwung verhindert man, das Leinen am Helm hängen bleiben. (..muss man üben). Die linke Hand wird durch eine Überkreuzung der rechten Hand nun wieder auf die entsprechende Seite geführt. Die linke Hand läßt nun die zum Aufziehen nicht benötigten hinteren Tragegurte wieder fallen. Die Arme sind nun über Kreuz. Es ist jeweils die „richtige“ Bremse in der „richtigen“ Hand. Die Handflächen zeigen nach oben. Die Unterarme sind aufeinander gepreßt.

 

 

 

Exakt im Genick

 

Das genaue Ausrichten der Kappe und das Einnehmen der Grundposition schließen die Vorbereitungen ab. Der Rücken ist gerade oder leicht nach vorne gebeugt. Das Gesäß wird etwas nach hinten gestreckt. Somit kommt der Zug nicht aus dem Hohlkreuz sondern direkt aus den Aufhängepunkten am Gurtzeug. Der Gleitschirm muss nun genau gegen den Wind ausgerichtet werden. Am besten geschieht dies, durch sachtes Aufziehen/Spannen der A-Leinen, Ein sofortiges zur Kappe laufen läßt die Kappe brav am Boden verweilen. Sind alle Eintrittsöffnungen prall geöffnet so entsteht ein gleichmäßiger Druck. Alle Leinen sind gestreckt und der Pilot steht genau im Zentrum. Der Wind bläst exakt ins Genick! – Ideale Voraussetzungen für das gerade Hochsteigen der Kappe sind nun gegeben.

 

Die Ausführung - in einzelne Phasen unterteilt

 

Aufzugs- und Kontrollphase: Durch ein nach hinten laufen und das gleichzeitige Festhalten der Tragegurte im Leinenschlossbereich erfolgt der Aufziehimpuls. Der Zug muss aus dem Gurt heraus und nicht durch Anwinkeln der Arme erfolgen. Die Arme führen die Gurte- wie auch beim Vorwärtsaufziehen - passiv nach oben. Scheint der Schirm den toten Punkt überwunden zu haben, können die Tragegurte losgelassen werden. Bei stärkerem Wind sollte damit gerechnet werden, daß man in dieser Phase dem Schirm einige Schritte entgegen gehen muß. Dies ist wichtig, da somit die Energie vernichtet wird, die beispielsweise beim Festhalten durch einen anderen Piloten in einem unkontrollierten Abheben resultieren könnte.

Ob die Tragegurte mit den Armen parallel oder über Kreuz hochgeführt werden ist Geschmacksache und sollte individuell ausprobiert werden.

Hängt die Kappe einseitig, sollte sofort durch krebsartige“ Seitwärtsschritte die Kappe unterlaufen werden. Giert die Kappe um die Hochachse so muss die hochschießende Seite sofort heruntergebremst werden. Bei überkreuzten Bremsleinen macht dies am Anfang einige Schwierigkeiten.

 

Stabilisierung: Die Energie des Hochschießens wird durch z.T. kräftiges, seitlich am Körper vorbei führendes Anbremsen kompensiert. Die Eigengeschwindigkeit der Kappe wird sehr stark reduziert und sie kann – bei entsprechender Windstärke – tatsächlich über dem Piloten zum stehen kommen. Die Kontrolle ist nun abschlossen.

Häufig wollen die Piloten zu früh mit dem Ausdrehen beginnen. Die Prämisse lautet: Erst stabilisieren, dann ausdrehen.

 

Ausdrehen: Der Pilot dreht sich relativ zügig um 180 Grad. Der Schirm bleibt weiterhin in der entsprechenden Bremsstellung. Bei schwachem Wind muss darauf geachtet werden, dass beim Drehen auch eine Bewegung in Flugrichtung beibehalten bleibt!

Der gefährlichste Fehler wäre das Ausdrehen zur „falschen“ Seite. Nicht nur das die Bremsen sehr leicht im Tragegurtgewirr blockiert werden. Meistens hebt der Gleitschirm mit einem in die falsche Richtung schauenden Piloten ab und fliegt geradewegs ungesteuert ins nächste Hindernis.

Nach dem Ausdrehen und stabilisieren folgt die normale Beschleunigungs- und Abhebephase!

 

Viel Spaß und Erfolg beim Training!


 
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