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Big Ears

BIG EARS

Sanfter Abstieg mit Speed

 

 

Durch das bewusste parallele Einklappen der äußeren Flügelteile können Sie das Sinken auf 2-4 Meter pro Sekunde steigern. Dabei klingt es fast etwas vermessen, das Ohrenanlegen als Abstiegshilfe zu bezeichnen. Der große Vorteil liegt jedoch darin, dass die Vorwärtsfahrt erhalten und - im Gegensatz zu allen anderen Abstiegshilfen - der Schirm  in Maßen steuerbar bleibt.

 

Wann brauchen Sie diese Technik?

 

Sie kennen das: das Wetter verschlechtert sich zunehmend, die Thermik wird zu heftig oder Sie haben einfach keine Lust mehr. Also Landen gehen. Doch die normalen Sinkwerte reichen nicht, B-Stall oder Steilspirale scheiden aus anderen Gruenden aus.

Jetzt kommt die Stunde der Big Ears. Ein großer Vorteil der angelegten Ohren liegt in der (leicht verminderten) Vorwärtsfahrt.

Manche wenden das Manöver beim Thermikfliegen an. Um den ganzen Aufwindbereich auszunutzen, werden die letzten 100 Höhenmeter zu Basis mit angelegten Ohren vom Zentrum des Steigens zum Rand hin verlagert. Sanftes steigen quasi mit angelegten Ohren.

Auch beim Toplanden brauchen Sie in den Aufwindgebieten stärkere Sinkwerte, um zum Zielort zu gelangen. Und nicht zuletzt auf dem Weg zum Landeplatz macht es Sinn, durch ein gezieltes Sinkmanöver seine Höhe zum nächsten Piloten zu staffeln. Doch Achtung: in niedrigen Höhen sollten Sie sich immer über die möglichen Gefahren dieses Manövers im Klaren sein.

 

Die Technik

 

Das Ohrenanlegen ist keine Wissenschaft und sollte fester Bestandteil jeder Höhenschulung sein. Die Effektivität des Manövers hängt von der Einklapptiefe ab. Je stärker die Einklappung, desto schneller geht es nach unten. Selten werden dabei allerdings Werte von 4 Metern pro Sekunde überschritten.

Vor allem aus aerodynamischen Gründen macht es Sinn, das Ohrenanlegen immer mit dem Beschleunigen zu kombinieren. Vor allem bei 1er und 1-2er Schirmen wird durch den Beschleunigungsvorgang die Sinkgeschwindigkeit um weitere 10-30% erhöht.

 

Einleitung

 

Steigen Sie zu Beginn des Manövers leicht in den Beschleunigungsbügel ungefähr am Absatz der Sohle, quasi in einer Art Grundstellung. Aktivieren Sie den Beschleuniger jedoch noch nicht. 

Setzen Sie sich nun komplett aufrecht, denn so können Sie mit ihren Händen den höchsten Punkt in den Traggurten erreichen. Die Bremsen bleiben - wie bei fast allen Manövern - in der Hand.

Die weitere Vorgehensweise hängt von Ihrem Tragegurtsystem ab. Fast alle „niedrig klassifizierten“ Schirme haben eine ins Tragegurtsystem eingebaute Ohren-Anlegehilfe. Dabei wird meist eine kleine Schlaufe vom Tragegurt nach außen bzw. unten gezogen. Über eine Rolle entsteht eine Art Flaschenzugeffekt. Fast alle neueren Schirme haben die äußere A-Leine zudem an einem separaten Tragegurt aufgehängt, was das Ohrenanlegen aufgrund besserer Hebelkräfte erleichtert.

Bei Drei-Leinern sollten Sie ausnahmslos nur eine Leine zum Ohrenanlegen verwenden. Verwenden sie dagegen die 2 äußeren A-Leinen, so wird die Einklappung zu groß.  Mit 1-er Schirmen geht das Ohrenanlegen aufgrund des höheren Zelldrucks und des dicken Profils am schwierigsten. Zudem haben kleine Piloten noch schlechtere Hebelverhältnisse. Ohne Ohrenanlegehilfe geht da meist gar nichts.

Etwas einfacher geht es, wenn Sie die Ohren asymmetrisch einholen. Der Grund: asymmetrisch kann man höher greifen. Das kurze Wegdrehen des Schirms lässt sich locker durch Körperverlagerung ausgleichen. Ziehen Sie dann gleichmäßig und parallel die beiden äußersten A-Leinen weiter nach unten, bis beide äußeren Flügelteile hereinklappen. Achten Sie darauf, dass der Tragegurt mit den verbleibenden beiden Leinen auf jeder Seite stehen bleibt. Kontrollieren sie das Einklappen durch Blickkontakt. Haben sich die Segelenden nun mit diagonaler Knicklinie nach unten gefaltet, so können Sie mit dem Beschleunigen beginnen.

 

Manövrieren mit angelegten Ohren

 

Die Steuerung des Schirms ist nun nur noch durch Gewichtsverlagerung zu bewältigen, Bremsleinensteuerung geht nicht mehr. Das Handling durch Körpersteuerung ist jedoch aufgrund der hohen Flächenbelastung recht effektiv, manchmal fast zu gut. Manche schaffen es sogar bei angelegten Ohren - quasi nur durch Körpersteuerung - zu spiralen. Lassen Sie das jedoch besser bleiben. Die Belastung für die verbleibenden Leinen ist zu groß!

Die Sinkwerte können Sie in gewissen Grenzen durch die Einklapptiefe variieren. Dies wird zum einen durch Nachziehen der A-Leinen, besser jedoch durch etwas impulsiveres Herunterziehen der A-Leinen ( ??? einmalig oder Pumpen ???) bewerkstelligt.

Bei vielen höher klassifizierten Schirmen müssen die A-Leinen nicht einmal festgehalten werden, das Segel bleibt quasi von alleine eingeklappt. Dies ist von Vorteil, wenn das Manöver über einen längeren Zeitraum durchgehalten werden muss. Wie fast immer machen auch hier Handschuhe Sinn!

Und hier noch eine Erfahrung aus den Sicherheitstrainings: Wenn die angelegten Ohren anfangen heftig zu schlagen und an den gezogenen Leinen heftig zerren, sollten Sie dem Schirm seinen Willen lassen und die Ohren freigeben. Dieser Effekt ist meist eine deutliche Ankündigung eines drohenden Sackfluges.

 

 

Ausleiten des Manövers

 

Zur Ausleitung des Manövers wird in umgekehrter Reihenfolge vorgegangen: Beschleuniger langsam zurücknehmen. Die A-Leinen symmetrisch wieder herauslassen und anschließend kurz auf die Bremsen gehen. Bei Schirmen ab DHV2 können Sie sich auf beidseitiges Pumpen einstellen, 1er und die meisten 1-2er dagegen öffnen selbständig. 

Bei manchen Schirmen, vor allem bei neueren, gehen große Ohren nicht durch Pumpen wieder auf. Wenden sie folgenden Trick an. Erst auf einer Seite zügig tief durchziehen und SOFORT wieder die Bremse lösen. Dadurch öffnet sich das Ohr zuverlässig.
Meistens folgt dann das andere alleine,  wenn nicht auch auf dieser Seite kurz und tief anbremsen.

 

Gefahren

 

Das Ohrenanlegen ist nicht bei allen Piloten beliebt und dies hat seine Gründe. Ähnlich wie bei der Einleitung des B-Stalls sind während der Einleitung kurzzeitig die Bremsen ganz oben, aktives Fliegen ist somit für kurze Zeit passé. In turbulenter Luft kann man sich so gleich den ersten Klapper einfangen.

Beim Ohrenanlegen fallen die Flügelteile mit niedrigem Anstellwinkel weg. In der Folge steigt die Sackfluggefahr. Besonders gefährdet sind Sie in kalter Luft (unter 10°C) und in niedrigen Meereshöhen. In diesen Situationen ist das gleichzeitige Beschleunigen ein Muss.

Was viele Piloten über den Sackflug nicht wissen: Anfängerschirme sind wegen der langsameren Trimmgeschwindigkeit eher sackfluggefährdet als Hochleister. Und witzigerweise kommt es in turbulenter Luft aufgrund der Pendelbewegungen der Kappe seltener zum Sackflug als in vollkommen ruhigen Luftmassen.

Apropos Turbulenz: es ist richtig, dass durch Ohrenanlegen die Gefahr eines asymetrischen Einklappers geringer wird. Dies gilt jedoch nicht für die Möglichkeit eines Frontstalls, der dann schon heftig werden kann! Viele Piloten hassen das Manöver aufgrund der Blockierung der Bremsen. Aktives Fliegen ist nicht mehr möglich!

Im bodennahen Bereich kann die Sackflugneigung kritisch enden. Einige Hersteller raten deshalb, das Big Ears-Manöver oberhalb von 100 Metern auszuleiten.

 

Klaus Irschik


 
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