…landen wie ein Vogel – die
Baumlandung
Irgendwann ist jeder mal dran!
Wenn sie lange und viel fliegen, steigt die Wahrscheinlichkeit
einer Baumlandung. Schon in der (Flug)- Schule lernst du, dass der Baum ein („Flieger)freund“
ist. Auf den Punkt gebracht. Ich möchte nicht wissen wie viel fatale Verletzungen
entstanden wären, wenn nicht gerade im letzten Moment die „Crash-Knautsch-Zone“
Baum da gewesen wäre!
Es sind da vor allem die vielen Baum-„Einschläge“, die z.B.
als Grande Finale einer Retteröffnung oder einer missglückten Spirale bzw. Spiralsturz
im Lebensretter Baum endeten!
…und lassen sie mal ihre Fliegerkarriere Revue passieren.
War da nicht einiges was sie da schon gesehen oder selbst erlebt haben?
Drei typische
Situationen
Mit eigenen Augen miterlebt. Mit
gut und gerne 20 m pro Sekunde schlägt der hilflose Pilot aus voller Wucht in eine 30 Meter Hohe Tanne
ein. Fazit: Der Gleitschirm hat sich in der Rotation zum Schluss 2 Mal um den
Stamm gewickelt und dem Pilot ist – jedenfalls physisch - absolut nichts
passiert. Der Gleitschirm war für eine Handvoll Euro zu reparieren. What
shells.
Zweite Variante. Vorwiegend im Schwarzwald, dem bayrischen
Wald , Japan oder Alsaka. Die Rede ist von der kontrollierten Landung in der
Botanik. Fluggelände, wo man so weit das
Auge reicht nur Bäume sieht. Diese Landform kommt sicher am seltensten vor-
zumindest statistisch gesehen. Der Vorteil: Im besten Fall können sie sich sogar den Bautyp und die Größe der
Bäume aussuchen. Frei nach dem Motto „Fichten sollst du suchen – Eichen sollst
du meiden“. Nur, im Gegensatz zu dem Sprüchlein das die Kinder zum Gewitter
lernen, stimmt dieser Grundsatz. Je weicher die Äste, desto besser. Zu den europäischen Nadelwäldern gibt es nur
noch eine Steigerung. Japan zum Beispiel. Die ausgedehnten Bambuswälder in den
fernöstlichen Fluggebieten sind wirklich butterweich. Ich behaupte sogar, dass ein
Sicherheitstraining über einem Bambuswald sicherer ist als über Wasser. – Aber darüber
lässt sich streiten.
Die dritte Möglichkeit ist auch zugleich die gefährlichste
aller Baumvarianten. Das Steifen und (meist an einer Leine) hängen bleiben. Auf
diese Art und Weise hatte ich mir selbst schon einmal die Wirbelsäule gebrochen.
Die denkst bis zu letzt, dass es vorbei reicht. Aber bedenken sie. Wenn sie
auch nur an einer Leine – oft die
Stabilleine- hängen bleiben, haben sie verloren. Die Stabilität einer einzelnen
Leine reicht aus um den gesamten Schirm abzustoppen. Nur leider fallen sie dann
nicht in die weiche Krone des Baumes sondern entsprechend der Höhe ihrer
Einhakstelle mehr oder weniger direkt nach unten. Und das kann ganz schön ins
Auge gehen!
Der Green - Touch
down
Der Grundsatz für Baumlandungen: Wenn sie sehen, dass eine
Baumlandung unausweichlich ist, dann voll rein. Aber bitte vorher voll
durchbremsen. Dann ist nämlich gewährleistet, dass sie mehr oder weniger
senkrecht in den Baum einlanden. Hände schützen das Gesicht. Wohl dem, der
einen Integralhelm trägt. Geschlossene Beine schützen empfindliche Teile unter
der Gürtellinie. Sobald sich der Fall verlangsamt, massive Äste zum festhalten
suchen. Das Schlimmste haben sie jetzt geschafft.
Im Baum - watt nu?
Erst mal cool. Wenn sie jetzt verletzt sind, haben sie
ein Problem, wenn ihren Absturz niemand
beobachtet hat, haben sie ein richtig großes Problem. Malen wir mal schwarz:
Einen Gleitschirm mit einem ohnmächtigen Piloten in einem Wald zu finden
gleicht der obligatorischen Nadel im Heuhaufen. Doch zum Glück kommt das äußerst
selten vor!
Normalerweise hängt man fest und ziemlich hoch! Und das in
80% aller Fälle unverletzt.
Maßnahme 1: Sichern
Stellen sie sicher, dass sie richtig fest hängen. Ideal,
wenn sie sich mit einer kurzen Reepschnur aus der seitlichen Gurtasche sichern
können. Aushängen, Helm abnehmen, Gurtschlösser öffnen oder sofort klettern
sind Todsünden. Wenn alle Stricke reißen – hier passt der Spruch echt gut-
sichern sie sich mit ihrem Rettungsschirm. Abnutzung - what shells!
Maßnahme 2: Hilfe rufen
Achtung: Das viel gepriesene Handy funktioniert nicht in
jeder Gletscherspalte. Wohl aber das Funkgerät. Funkwellen breiten sie
quasioptisch aus. D.h. wenn sie Sichtkontakt haben, können sie auch funken. Am
wichtigsten ist jetzt die Beschreibung der Absturzstelle. Beschreiben sie ihren
Rettern die Höhe ihres Hangpoints. Wenn sie nicht gerade in einem Meter über
dem Boden hängen macht es absolut Sinn gleich professionelle Hilfe zu rufen. In
den Bergen ist dies die Bergwacht, im Flachland heißt die Bergwacht Feuerwehr.
Wenn sie sich nicht schlüssig sind hilft überall der Freund und Helfer. Gerade
in Österreich, der Schweiz und Frankreich ist die Helirettung sehr schnell und
meist am professionellsten. Versicherungen, Preise und Modalitäten füllen einen
eigenen Artikel. Erkundigen Sie sich mal!
Maßnahme 3: Warten
Wenn dann der Rettungstrupp naht, heißt das noch lange nicht
dass sie sofort gefunden werden.
Sie werden feststellen, dass sie mit dem Rufen bald am Ende
sind. Aus diesem Grunde hat sich eine Rettungspfeife bewährt. Pfeifen können
sie deutlich länger als rufen.
Stell dir vor du
hängst im Baum und keinen interessiert `s!
Auch das kommt vor, vor allem bei Einzelkämpfern und
Streckenfliegern. Sie haben zwei Möglichkeiten. Mit etwas Wasser und ihrem
Rettungsschirm als wärmende Decke können sie gut und gerne noch 24 Stunden im
Baum aushalten. Die meisten Unfälle passieren ja bekanntlich bei den
Selbstbergeversuchen. Auch dies ist wiederum ein Bericht für sich und soll hier
nicht besprochen werden.
Bergung des Schirms
Nach meiner Erfahrung verläuft jede Schirmbergungsaktion
anders. Die Bandbreite reicht von Schirm hängen lassen (…weil sich`s eh nimmer
lohnt) bis zu Baum fällen. Oft habe ich schon bei professionellen
Schirmbergungen zugesehen. Dies lief meist so ab.
Der Spiderman, ausgestattet mit allen möglichen Karabinern,
Seilen und Sägen klettert via Steigeisen den kahlsten Stamm geradewegs nach
oben. Übrigens. Professionelle Retter erkennen sie vor allem daran, dass sie
sich selbst ständig sichern. Sie entscheiden dann auch ob das Holz hält oder
nicht! Meist beginnen sie vom höchsten Punkt, arbeiten sich von den Tragegurten
über die Leinen zum Schirm vor und packen die freigelegten Teile gleich in den
mit nach oben gebrachten Schnellpacksack. Wenn nichts mehr geht, werden die Leinenschlösser
geöffnet. Der eine oder andere Ast muss auch zum Opfer fallen.
Zur Wiederholung der wichtigste Grundsatz für alle schwäbischen und
schottischen Gleitschirmpiloten: Erste den Piloten, und dann das Material
bergen!
Klaus Irschik
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