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Alles gecheckt!

Alles gecheckt?


30 Sekunden für die Sicherheit

 

Ob Wettkampfprofi oder Anfänger – ein sauber durchgeführter 5-Punkte-Check dauert nicht einmal 1 Minute und ist der erste Schritt zum sicheren Flug. Weggelassen oder schlampig durchgeführt kann er im schlimmsten Fall das Leben kosten! Hier erfahren sie worauf es ankommt.

 

 

Vergessene Beingurte

 

Mehr als 10 tödliche Unfälle im Alpenraum aufgrund vergessener Beingurte ließ 1998 die Szene aufschrecken. Das Lehrteam des Verbandes saß zusammen und arbeitete an Ursachenkette und Lösung. Heraus kam, dass die Problematik auf zu große und voluminöse Gurtzeuge zurück zu führen war, die letztendlich häufiger zu Startabbrüchen führten. Um nach dem Startabbruch wieder bequemer zur Startstelle zurück zu gelangen, öffneten die verunglückten Piloten die Beingurte, welche vor dem zweiten Start - mangels Startcheck - einfach vergessen wurden. Nach dem Start rutschte der Pilot aus dem Gurtzeug und stürzte ab.

Safe-T-bar, SIL-Systeme und Gurtsysteme, welche bei vergessenen Beingurten sämtliche Gurte offen lassen, waren die technischen Antworten auf die Misere. Doch gibt es auch sonst noch genügend Gründe für einen sauberen Startcheck.

 

 

Check mit System

 

Die Check-Technik muss praktikabel sein. Dies ist sie nur dann, wenn wirklich kein Punkt vergessen werden kann. Genau genommen besteht der 5-Punkte Check nämlich aus insgesamt 17 Unterpunkten. Bestimmte Dinge können in der fertigen Startposition nicht mehr gecheckt werden. Rettungsgerät, hintere Fangleinen oder die generelle Wetterlage gehören zum Vorflugcheck, welcher am besten abseits des Startplatzes stattfinden sollte. Um die genannten Dinge zu kontrollieren, muss der Pilot sich vom Gurtzeug getrennt haben. (eventuell Bild)

Um keinen Punkt des Startchecks zu vergessen, kann folgende Formel angewendet werden:

 

 

Von unten nach oben, von der Mitte nach hinten  + 2

 

 

 

 

Bei dieser Formel Fängt der Pilot (Checkpunkt 1)  an seinem Körper an und wandert an ihm von unten nach oben. Sukzessive „hangelt“ er sich automatisch von einem Checkpunkt zum anderen. Die Beingurte, einer der wichtigsten Checkpunkte, werden so zur Nummer 1 des Checks. Nicht ordnungsgemäß geschlossene oder verdrehte Karabiner liegen in unmittelbarer Nähe des Brustgurtes. Übrigens: Checken heißt nicht nur optisch überprüfen sondern auch hinlangen! Checkpunkt 1 endet mit Helm auf und  (Kinnriemen) zu.

Hierzu ein wichtiger Tipp. Immer wenn ein Ausrüstungsteil am Piloten getragen wird, sollte es vollständig geschlossen sein. D.h. Ist der Helm auf dem Kopf, so sollte in diesem Arbeitsgang auch gleich der Kinnriemen geschlossen werden. Dasselbe gilt für das Gurtzeug. Wird das Gurtzeug nur umgehängt oder nur teilweise geschlossen, so wird ein Vergessen von Gurtteilen und Verschlüssen geradezu provoziert.

 

 

Von der Mitte nach hinten

 

Der zweite Checkpunkt – das Leinensystem, beginnt mit den Tragegurten, welche im Zentrum des Piloten (in der Mitte) angebracht sind. Verdrehte Tragegurte sind kein Beinbruch, verdrehte Bremsleinen können jedoch während der Start- und Abflugphase ordentlich Probleme machen. Der Gleitschirm muss vor allem in engen Startschneisen von Anfang an in der Richtung gehalten und aktiv geflogen, sprich angebremst werden.

Das Beschleunigungssystem nicht einzuhängen, ist reine Schlamperei. Zum einen kann der nicht angezogene Fußbeschleuniger beim Start behindern, zum andern braucht man ihn erwiesener maßen genau dann, wenn man ihn nicht eingehängt hat! Brummelhaken mit Handschuhen während des Fluges einzuhängen ist ein Fiasko.

C-D-Leinen oder eine verhängst Bremsspinne können an dieser Stelle nicht inspiziert werden. Dies ist Sache des Vorflugschecks. Leinenüberwürfe an den A-Leinen – eine A-Leine verläuft unter der Kappe hindurch -  können allerdings sehr gut erkannt werden, wenn man von der Hand über die A-Leinen strahlenartig jedem einzelnen A-Leinen-Verlauf folgt.

Eine vollständig geöffnete Eintrittskante ist vor allem bei Schwachwindbedingungen wichtig. Die Symmetrie überprüft der Pilot am besten durch langsames nach vorne gehen. Wenn beide A-Leinen gleichzeitig zu spüren sind, steht der Pilot genau in der Mitte. Der optimale Abstand zur Kappe hängt bekanntlich von Geländeform und Windgeschwindigkeit ab.

 

 

Wind und Luftraum…

 

...sind die 2 Dinge, die den Abschluss der Kontrolle bilden.

„Wind“ steht eigentlich stellvertretend für das gesamte Wettergeschehen. Spätestens hier sollte neben der Startart – vorwärts oder rückwärts -   auch nochmals die psychische Komponente gecheckt werden. Der Checkpunkt „Wetter“ müsste somit eigentlich lauten: „ Traue ich mir unter den gegebenen Wetter und Geländeverhältnissen einen Start überhaupt zu??“. Viele Piloten lassen sich bei dieser Entscheidung relativ lange Zeit. Der Startcheck wäre ansonsten mit Sicherheit in 20-30 Sekunden erledigt. Ein Tipp: Die „Sinnfrage“ bereits in den Vorflugcheck einbauen wird und in das individuelle Angstbewältigungsritual – Pippi machen, Ziggi rauchen, quatschen -  mit einfließen lassen.

Der aller letzte Punkt hängt von der Startplatzsituation ab. Die Chance beim Start durch eine landende Cessna erfasst zu werden ist beim Paratrecking sicherlich auszuschließen, beim Windenstart am Segelflugplatz jedoch durchaus denkbar. Bei Geländen mit Toplandemöglichkeiten lohnt sich der Blick nach hinten!

Der abschließende Ruf: „Achtung Start“ schließt bei stark frequentierten Startplätzen Geländen den Startcheck ab und verhindert gefährliche Parallelstarts!

 

Klaus Irschik

 

 

Die Punkte im Einzelnen:

 

Punkt 1: PILOT

- Beingurte/Anti-Herausfallsicherung geschlossen

- Brust/Bauchgurt geschlossen

- Karabiner/Verbindung Tragegurte-Gurt geschlossen

- Helm auf und gesichert.

 

Punkt 2: LEINENSYSTEM

- Tragegurte unverdreht eingehängt

- Beschleunigungssystem unverdreht eingehängt

- A-Leinen frei

- Bremsleinen frei

 

Punkt 3: KAPPE

- Bogenförmig ausgelegt

- Eintrittskante offen

- Symmetrie und Standort des Piloten

 

Punkt 4: WETTER

- Wettergefahren

- Windrichtung- und Stärke

 

Punkt 5: LUFTRAUM

- Hinter..

- Rechts/links…

- Über…

- Vor dem/des Piloten frei

 

RUF: „ACHTUNG START!“


 
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