Klaus
Irschik, Fluglehrer, DHV-Lehrteam
Akrofliegen - Trendy
aber ein Sack voller offener Fragen!
Natürlich
beobachte ich die Akroszene! Auf nahezu jedem Event - aber mehr und mehr auch
beim freien Fliegen - vor allem in Frankreich und Österreich!
Akrofliegen
ist zweifelsfrei enorm publikumswirksam, die Frage ob wir dadurch neues
Publikum anziehen, bleibt für mich jedoch offen. Schwer vorzustellen, daß sich
unser „ Durchschnittspublikum“ mit dieser Art des Fliegens wirklich
identifizieren kann und will?
Vermutlich
wird dieser – ich bezeichne es mal als „Ableger unseres Sports“ - in erster
Linie die jüngeren Pilot ansprechen! Und junges Publikum im Sport zu fördern
ist ja prinzipiell mal etwas gutes. Bleibt die Frage ob die Menge der
angesprochenen Piloten tatsächlich ausreicht, um daraus einen waschechten,
organisierten und versicherten Zweig – ähnlich dem Streckenfliegen - zu bilden.
Was
motiviert die Piloten zum Akrofliegen?
Sicherlich
macht es Spaß das Sportgerät in extremem Situationen perfekt zu beherrschen, es
macht vor allem Spaß, dies dann auch noch anderen in spektakulärer Weise – das
heißt möglichst direkt über dem Landeplatz oder vor dem Startplatz – in
niedriger Höhe vorzuführen. Sich aus der Masse herausheben ist cool und trendy!
Bleibt die nächste Frage: Sehen die jetzt begeisterten auch, wieviel
Training aufzubringen ist, um diese Figuren wirklich sicher über Grund und
- speziell über niedrigem Grund - zu
beherrschen. Und Hand aufs Herz – wen
interessiert die Flugfigur wenn Du bei 500 Meter aufhören mußt oder das
Akrofliegen nur über Wasser zugelassen und „versicherbar“ wäre? Ich sehe da ein
ernstes Problem dahinter?
Wie
und wann legalisieren?
Bis
jetzt stehen die Piloten und Anbieter von Akrokursen, (vornehm als
Flugtechnikkurs bezeichnet), rechtlich
auf ziemlich wackeligen Beinen.
Als
erstes müsste man den tatsächlichen Bedarf feststellen. Dies könnte über eine
Internetumfrage, aber auch über die Hauptversammlung des Verbandes geschehen.
Parallel dazu währe auch ein Umfrage über unsere Fachmagazine dankbar.
Fachleute müssten hierzu einen guten Fragebogen entwickeln, der anschließen
ausgewertet werden muß.
Eine Legalisierung führt, wenn überhaupt, nur
über einen Ausbildungsweg in unserem Verband. Um Mißverständnisse vorzubeugen,
müssten davor allerdings noch jede Menge Aufklärungsarbeit vorangestellt
werden.
D.h.
wissen die Akrointeressenten wirklich, welches
Trainingspensum für diese Sportart aufzuwenden ist? Wie teuer ist das
spezielle Material? Wo könnte die Kurse, Trainings unter fachgerechter
Anleitung zu welchem Preis statt finden? Welche Trainingsplätze stehen später
zur Verfügung?
Wie
könnte ein Kurssystem aussehen?
Nachdem
Aufklärungsarbeit getan und der Bedarf festgestellt wurden, müsste sich ein
Gremium von Spezialisten zusammensetzen. Es gilt auszuarbeiten, welche
Trainingseinheiten unter welchen Umständen in welchen Kursen und
Ausbildungsschritten durchzuführen wären.
Sicherlich
muß es hier verschiedene Stufen nach dem altbewährten pädagogischen Prinzip
geben: Vom einfachen zum komplexen, vom Bekannten zum unbekannten! Das ganze in
möglichst mundgerechten Schritten, die sukzessive aufeinander aufbauen.
Als
Trainingsort bleibt fast nur das klassische Sicherheitstraining, die Trainer
selbst werden vermutlich auch erst mal hier zu suchen sein. Über Land kann –
wenn überhaupt – höchstens ein Auswahltest für dieses Training stattfinden!
Wenn
Kurse kreiert, Trainer gefunden und ausgebildet und Orte dafür für gut befunden
werden, so muß nur noch jemand gefunden werden, der diese Sache versichert. Und
- ganz nebenbei muß auch noch das
Luftrecht in diesem Punkt umgeschrieben werden. Bis heute steht da nämlich
noch, daß Kunstflug – definiert als Flugbewegungen mit mehr als 90° um Quer-
oder Längsachse – mit Luftsportgeräte verboten sind!
Summa
summarum: Ich sehe zur Zeit noch keine Chance, ein solches System
aufzubauen. Nach entsprechender
Aufklärungsarbeit eine Umfrage zu starten, sehe ich als dringend notwendig an.
Und wenn wirklich ein Bedarf da ist – dann ran mit Volldampf!!! |